• Alumni  
  • FacebookTwitterLinkedInXingRSS
  • Weitere Webseiten
 
ÖSTERREICH
 
 

Windenergiebranche vor Strukturwandel

Einstieg großer Energieversorger sorgt für Kostensenkung und Standardisierung

Der Boom der globalen Windenergiebranche ist ungebrochen: Trotz der Wachstumsbremse durch die Krise im Jahr 2009 ist die installierte Leistung im Vergleich zum Vorjahr um 31 Prozent gestiegen. Gleichzeitig steht die Branche vor einem Strukturwandel. Waren in diesem Markt bisher hauptsächlich Pionierunternehmen aktiv, verschieben sich die Gewichte zunehmend – mit den entsprechenden Folgen für Hersteller und Zulieferer. Immer stärker engagieren sich große Energieversorger, die mit der Windkraft ihren Energiemix erweitern. Dadurch nimmt die Größe der Projekte zu, und es wächst der Druck zur Kostensenkung und Standardisierung. Gleichzeitig drängen neue Anbieter auf den Markt, was zu Überkapazitäten geführt hat. Der Studie von Roland Berger Strategy Consultants zufolge ist eine Konsolidierung der Branche unumgänglich. Hersteller müssen wachsen und sich effizienter aufstellen und ihre Kosten senken, um bestehen zu können. Auch die Zulieferer müssen sich entsprechend anpassen.

In Österreich wuchs durch das erlassene Gesetz zur Förderung erneuerbarer Energien die installierte Leistung im Jahr 2009 um 30 Prozent. Das Land liegt damit im internationalen Durchschnitt. Alleine in Niederösterreich gibt es mittlerweile 117 Windparks mit insgesamt 460 Wind-Turbinen. Bis zum Jahr 2013 wird eine Steigerung von derzeit 1015 MW auf 1695 MW angestrebt.

Auch global steht die Windenergiebranche vor einem Strukturwandel. Derzeit sind die Windkraftanlagenbauer noch eine sehr heterogene Gruppe. Sie umfasst reine Windkraftpioniere, die bisher etwa die Hälfte des Markts unter sich aufteilen, ebenso wie eine ganze Reihe von regionalen Playern und traditionelle Maschinenbauunternehmen, die vor allem durch Zukäufe ihren Marktanteil immer weiter ausbauen. Ein starker Faktor ist dabei die wachsende Nachfrage von großen Energieversorgern, die mit immer größeren Windparks ihren Energiemix erweitern und so den Herausforderungen durch den CO2-Emissionshandel und steigende Preise für fossile Rohstoffe begegnen wollen. Um solche Großprojekte umsetzen zu können, schließen die Energieversorger mit einzelnen Herstellern Rahmenvereinbarungen mit dem Ziel, die Wertschöpfungskette systematisch zu standardisieren und zu industrialisieren. Dazu kommt, dass in China in den vergangenen Jahren zahlreiche neue Hersteller von Windkraftanlagen entstanden sind und jetzt auf den Weltmarkt drängen.

Größe und Industrialisierung als Erfolgsfaktoren
Die Studie kommt zum Schluss, dass die Windkraftanlagen-Branche sich von einer Pionier-Branche zu einer klassischen Industrie entwickeln muss: Die großen Energieversorger stellen an die Windkrafthersteller die gleichen Anforderungen wie an die Hersteller konventioneller Energieerzeugungsanlagen. Dadurch wird sich die Produktentwicklung auch im Windkraftbereich zunehmend an der normalen industriellen Praxis orientieren und so die Wertschöpfungskette stabilisieren. Außerdem werden große Industriekonzerne wie Siemens oder General Electric, aber auch lokale, vor allem chinesische Player ihren Marktanteil auf Kosten der Pioniere ausbauen.

Gleichzeitig ändern sich auch die Anforderungen an die Zulieferer. Sie müssen durch Standardisierung und Modularisierung die Kosten senken, um die Hersteller im globalen Wettbewerb zu unterstützen. Gleichzeitig bieten die zunehmenden technologischen Herausforderungen Zulieferern die Chance, sich als strategischer Partner zu positionieren. Damit wird sichergestellt, dass sie bei der anstehenden Konsolidierung nicht auf der Strecke bleiben.
Top

Weitere Publikationen