Private Equity in Europa: Marktsituation bleibt schwierig
Marktanalyse von Roland Berger gibt Ausblick auf 2010
Die europäischen Private-Equity(PE)-Gesellschaften sind von der Finanz- und Wirtschaftskrise besonders stark betroffen. 2008 ging das Volumen der getätigten Investitionen um 27 Prozent zurück und die Prognosen für 2009 lassen eine weitere Schrumpfung um 40 Prozent befürchten. Trotz vorsichtig optimistischer Wirtschaftsprognosen für 2010, wird das Marktumfeld auch im kommenden Jahr mehr als schwierig bleiben. Damit rechnet Roland Berger Strategy Consultants in der aktuellen Analyse "European private equity outlook 2010". Um erfolgreich durch die Krise zu kommen, sind die sorgfältige Prüfung eines Investments vor der Akquisition, ein aktives Portfoliomanagement und die rasche Umsetzung notwendiger Restrukturierungsmaßnahmen bei ihren Beteiligungen zentrale Erfolgsfaktoren. Im kommenden Jahr werden vermehrt günstige Unternehmen auf den Markt kommen, die PE-Gesellschaften attraktive Chancen eröffnen.2008 gingen die Investitionsvolumina in fast allen westeuropäischen Ländern deutlich zurück, während Mittel- und Osteuropa auf niedrigem Niveau stabil blieb. Besonders betroffen waren Großbritannien, wo der Markt von 20,9 auf 13,75 Mrd. Euro einbrach (-66%), und Österreich (-62%). Der Private Equity Markt in der Alpenrepublik verfügt nur noch über ein Volumen von 330 Mio. Euro und liegt damit hinter Polen (630 Mio.), Ungarn (480) oder Tschechien (440). Im Zuge der Krise haben PE-Fonds auch mit sinkenden Renditen zu kämpfen. Die Rendite (IRR) sank von 17,1% im Jahr 2007 auf 11,6% 2008. Für 2010 werden weitere Rückgänge erwartet.
Einige der größeren Gesellschaften verfügen über ungebundenes Kapital und können nun die Krise zu ihrem Vorteil nutzen, indem sie antizyklisch investieren. Kleinere PE-Fondsstecken stecken hingegen in der Klemme – sie können weniger Kapital einsammeln und gleichzeitig bestehende Beteiligungen nicht mit dem erwarteten Gewinn veräußern. Derzeit gibt es de facto keine Ausstiegsmöglichkeiten. Die 'Funds Raised' erreichten im ersten Halbjahr 2009 mit 5,7 Mrd. Euro einen historischen Tiefstand. Gleichzeitig werden auch die Divestments zum zweiten Mal in Folge um etwa 50 Prozent zurückgehen.
Dazu kommt, dass Unternehmenskäufe aufgrund der erschwerten Finanzierungsmöglichkeiten durch Banken nicht mehr so stark fremdfinanziert werden können. Das zeigen vor allem die sinkenden Leverage Ratios: Betrug die Gesamtverschuldung, die dem Unternehmen durch Kauf aufgebürdet wird, 2007 noch das 6-fache des EBITDA, so lag dieser Wert im ersten Halbjahr nur noch beim 5-fachen. Renditen werden in Zukunft nicht mehr über Fremdkapital, sondern über operative Perfomanceverbesserung erzielt werden. PE-Firmen müssen ihr Geschäftsmodell allerdings noch an die veränderten Marktbedingungen anpassen.
Investoren bleiben konservativ
Das herausfordernde Marktumfeld sorgt auch dafür, dass Investitionen seit Ende 2007 zunehmend konservativ getätigt werden. Der Fokus bleibt auf Later Stage Buyouts. Europaweit verliert Startup- und Expansionsfinanzierung volumenmäßig weiter an Bedeutung. 2008 machten Buyouts 70 Prozent des Marktes aus, Startups und Expansionen hatten sich auf fünf bzw. sieben Prozent reduziert. 2001 war der Marktanteil von Startup-Finanzierungen noch bei 15 Prozent gelegen, der von Expansionsfinanzierungen bei 25 Prozent. Neu hinzugekommen ist hingegen die Finanzierung von Wachstumsprogrammen: sie spielte vor 2006 keine Rolle, erreichte 2007 fünf Prozent und wuchs 2008 auf 14 Prozent.
Wesentlich für eine Erholung der europäischen Private Equity-Märkte sind das makroökonomische Umfeld und die Entwicklung an den Börsen. Für das kommende Jahr werden geringere Zuwachsraten erwartet, was das Umfeld für Exits weniger attraktiv macht. Viele Investments sind bereit für den IPO, aber es fehlt das entsprechende Umfeld. Für ein 'Secondary Buyout', einen Weiterverkauf an eine andere Investmentgesellschaft, ist der Verkaufsdruck noch zu gering. Schnäppchen gibt es noch nicht, ein Weiterverkauf wäre also nur mit großen Preisabschlägen möglich. Die Restrukturierung des Kerngeschäfts der Beteiligungen gewinnt so wieder an Bedeutung, auch um einen guten Verkaufspreis nach der Krise erzielen zu können.

