Turkey's prospects and its relevance for Austrian companies
Angesichts der abflauenden "Thermik" aus Osteuropa müssen heimische Unternehmen neue Wachstumsmärkte erschließen. Vor allem die Türkei als großer Binnenmarkt in einer strategisch günstigen Lage bietet sich als Ergänzung zur Konzentration auf Russland und die GUS-Staaten an. Interessant für Österreich sind dabei die Bereiche Finanzdienstleistung, Energie, Bau und Bauzulieferer, Automobilzulieferer sowie Maschinen- und Anlagenbau. Hierzulande hat man die Türkei noch kaum in die langfristige strategische Planung einbezogen. Dabei sollte das Land nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Risikodiversifizierung zu Russland betrachtet werden: Zum einen bietet es einen Markt mit 75 Millionen Menschen und überdurchschnittlich hohem Wirtschaftswachstum, das in den kommenden Jahren bei über fünf Prozent jährlich liegen wird. Zum anderen eignet sich die Türkei als Drehscheibe für den mittleren Osten und Afrika, selbst für Südrussland.
Getrieben durch Privatisierungen und Reformen der Regierung haben Investitionen in den vergangenen drei Jahren stark zugenommen; sie liegen nach wie vor aber noch deutlich unter jenen in den MOE-Staaten. Ähnlich wie die russische Wirtschaft wird die türkische von lokalen Unternehmenskonglomeraten in Familienbesitz dominiert. Daher bieten sich ausländischen Investoren eher strategische Partnerschaften für den Markteintritt an. Probleme für westliche Unternehmen sind vor allem bei fehlender Transparenz, überbordender Bürokratie und mangelndem Zugang zu Eigenkapital zu orten – sowohl die Istanbuler Börse als auch Private Equity stellen Engpässe dar.
In den letzten zwei Jahren investierten nur vier heimische Unternehmen relevante Summen in der Türkei: OMV, Verbund, Meinl European Land und Meinl Airports. Diese Zurückhaltung beruht hauptsächlich auf dem starken Engagement in Osteuropa. Erst nach und nach rücken exotische Ziele wie China, Indien oder eben die Türkei ins Blickfeld.

