Höhepunkt der Wirtschaftskrise steht noch bevor
Kündigungswelle für Westeuropa erwartet
Wien, 24. Juli 2009Die globale Wirtschaftskrise wird ihren Tiefpunkt erst zum Jahreswechsel erreichen, mit einer Besserung ist im weltweiten Durchschnitt frühestens ab Mitte nächsten Jahres zu rechnen. Besonders pessimistisch zeigen sich europäische Topmanager. Sie rechnen erst im zweiten Halbjahr 2010 mit ersten Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung. Etwas optimistischer sind Manager in den USA und in Asien: Sie erwarten einen Wirtschaftsaufschwung bereits für Ende 2009. Als Restrukturierungsmaßnahmen sind eine angepasste Geschäftsplanung, Kostenreduktion und verstärktes Liquiditätsmanagement weltweit am bedeutendsten. Die Manager wollen die Krise aber auch zur strategischen Neuausrichtung des Unternehmens nutzen. Das sind die Ergebnisse der Studie "Restrukturierung International 2009" von Roland Berger Strategy Consultants. Die Strategieberatung hat dafür die Vorstände und Geschäftsführer von knapp 400 internationalen europäischen, asiatischen und US-amerikanischen Unternehmen aus zwölf verschiedenen Branchen befragt.
"Die Subprime-Krise ist zur Weltwirtschaftskrise ausgewachsen, deren Tiefpunkt uns leider noch bevorsteht", kommentiert Rupert Petry, Managing Partner im Wiener Büro von Roland Berger, die Ergebnisse der Studie. Finanzdienstleister, die Automobilindustrie sowie der Maschinen- und Anlagenbau sind am stärksten betroffen und werden sich auch nur sehr langsam erholen. Die weltweit besten Erholungschancen werden der Pharmabranche und dem Gesundheitswesen eingeräumt. Für das laufende Geschäftsjahr 2009 rechnet die Hälfte der befragten Manager mit Umsatzrückgängen von mehr als zehn Prozent für ihr Unternehmen. Während jedoch in Europa und Asien rund 40 Prozent mit einem Umsatzrückgang von bis zu 15 Prozent und darüber rechnen, geben nordamerikanische Manager moderatere Schätzungen ab: 55 Prozent erwarten einen Rückgang um bis zu zehn Prozent.
Europa droht Kündigungswelle
Nahezu alle befragten Unternehmen haben bereits Restrukturierungsmaßnahmen eingeleitet. "Weltweit betrachtet, sind eine angepasste Geschäftsplanung und Kostensenkungen die wichtigsten Maßnahmen zur Bekämpfung der Krise. In Europa wird darüber hinaus ein besseres Liquiditätsmanagement als besonders wichtig eingestuft", meint der Berater. Auf der Agenda ganz oben steht auch die Reduktion der Personalkosten. Etwa 60 Prozent der Unternehmen in den USA und 40 Prozent in Europa und Asien haben ihre Personalkosten bereits um mehr als zehn Prozent gesenkt. Während jedoch die USA die größten Einschnitte bereits hinter sich haben (der Anteil jener Unternehmen, die Kündigungen planen, sank von 67% auf 43%), zeichnet sich in Westeuropa eine Kündigungswelle ab. Demnach wird ein Anstieg betriebsbedingter Kündigungen von 42 auf 52 Prozent erwartet. Für fast die Hälfte der befragten Unternehmen weltweit ist Kurzarbeit wichtig bis sehr wichtig. Während jedoch die Bedeutung dieser Maßnahme in den USA abnimmt, ist sie in Europa im Steigen begriffen.
Erfolgreiche Restrukturierung erfolgt rasch
"Angesichts der dramatischen Einbrüche geht es derzeit hauptsächlich darum, Restrukturierungsprogramme besonders rasch umzusetzen. 79 Prozent der Befragten sehen darin den wichtigsten Erfolgsfaktor bei der Bekämpfung der Krise", so Petry. An zweiter Stelle kommt "Management Commitment" (76%), also aktive Unterstützung der Restrukturierung durch die Unternehmensführung, gefolgt von "intensivem Projektcontrolling" (67%).
Unternehmen wollen Kosten senken und zukaufen
Die Krise bietet aus Sicht der Unternehmer aber auch Chancen: 64 Prozent der Befragten glauben, dass sie nun ihre Kostenbasis reduzieren können. Ebenfalls 64 Prozent sehen zudem Chancen zur Konzentration auf ihr Kerngeschäft, und mehr als die Hälfte erkennt Gelegenheiten zur Marktbereinigung. Auch günstige Investitions- beziehungsweise Akquisitionsmöglichkeiten werden als Chancen genannt. Interessanterweise wird zwar der Nutzen staatlicher Hilfsprogramme für die Gesamtwirtschaft erkannt, die Bedeutung für das eigene Unternehmen wird aber als gering eingestuft. Weltweit gesehen beurteilen asiatische Unternehmen die Hilfsprogramme am positivsten.
Strukturanpassungen und strategische Neuausrichtung
"Unternehmen können die Krise nicht nur überleben, sondern sogar gestärkt aus ihr hervorgehen, wenn sie die richtigen Prioritäten setzen", sagt Petry. "Die Firmen müssen eine straffe Liquiditätssteuerung einführen und eng mit Banken und Kreditversichern zusammenarbeiten, um rasch auf Liquiditätsengpässe reagieren zu können. Ein absolutes Muss sind außerdem Strukturanpassungen, um die Fixkosten zu senken."
