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ÖSTERREICH
 
 

Roland Berger Studie: Dringender Konsolidierungsbedarf weltweit in der Automobilzulieferindustrie

OEMs stellen sich einer Marktbereinigung häufig entgegen

Wien, 1. Februar 2010

Die Krise der Automobilindustrie hat auch die Zulieferer stark getroffen: Im Durchschnitt sank deren Umsatz 2009 weltweit um etwa 25 Prozent, die Rendite (EBIT vom Umsatz) von 5,7 Prozent (2007) auf rund minus 1,5 Prozent (2009). So mussten in den vergangenen zwei Jahren 340 Zulieferer Insolvenz anmelden, 75 davon alleine in Deutschland. Trotz der größten Krise in der Geschichte der Branche kommt die Konsolidierung aber nur schleppend in Gang. Seit 2007 ist die Zahl der Zusammenschlüsse und Übernahmen (M&A-Transaktionen) sogar rückläufig. Das sind die Ergebnisse der neuen Studie "Angezogene Handbremse – Die Konsolidierung in der Zulieferindustrie kommt kaum in Fahrt" von Roland Berger Strategy Consultants. Für die kapitalmäßig im internationalen Vergleich gut aufgestellten österreichischen Zulieferer ist die bevorstehende Konsolidierungswelle eine einmalige Chance auf günstige Zukäufe. Sie können dadurch gestärkt aus der Krise gehen.

"Österreichische Zulieferer sind – bis auf wenige Ausnahmen – mit einem blauen Auge durch die Krise gekommen. Da die meisten Unternehmen im internationalen Vergleich ganz gut aufgestellt sind, erwarte ich auch für heuer keine große Insolvenzwelle", sagt Rupert Petry, Managing Partner im Wiener Büro von Roland Berger. Trotzdem gibt der Automotive-Experte keine Entwarnung: "Die bisherigen Maßnahmen der Unternehmen beschränken sich meist auf operative Themen und die Sicherung des Cashflows. Notwendige Strukturmaßnahmen werden noch zu zaghaft angegangen." Petry fordert in diesem Zusammenhang die Banken auf, die Konsolidierung aktiv voranzutreiben: "Vor allem in den Märkten Mittel- und Osteuropas besteht nach wie vor großer Restrukturierungsbedarf. Geschieht hier nichts, ist die nächste Krise in zwei Jahren vorprogrammiert."

Fahrzeughersteller bremsen bei Marktkonsolidierung
"Die Fahrzeughersteller müssen jeder Transaktion im Zulieferbereich zustimmen. Aus ihrer Sicht jedoch sind viele Segmente bereits ausreichend konsolidiert", sagt Roland Berger Partner und Studienautor Marcus Berret. Außerdem halten sich Investoren wegen der unsicheren Entwicklung an den weltweiten Automobilmärkten weiterhin zurück. Den Zulieferern selbst fehlt es an Geld und Managementkapazitäten für Übernahmen oder Zusammenschlüsse. "Die meisten Unternehmen kämpfen gerade ums Überleben. Da stehen andere Themen im Vordergrund."

Konsolidierungsbedarf ist unterschiedlich hoch
"Die Hersteller haben in vielen Bereichen, besonders in produktorientierten Segmenten wie Bremsen oder Kolben, häufig wenig Interesse an einer weiteren Konsolidierung der Branche", erklärt Berret, "denn in nahezu allen Produktsegmenten hat sich eine vergleichbare weltweite Wettbewerbsstruktur etabliert: Der Marktführer hält einen Anteil von 30 bis 35 Prozent, die größten beiden Anbieter decken die Hälfte des Marktes ab, die Top 5 rund drei Viertel." Mit jedem Zulieferer, der aus dem Markt ausscheidet, nimmt der Wettbewerb weiter ab und die Marktmacht der verbleibenden Anbieter wächst.

Anders sieht es in den prozessorientierten Segmenten wie Leichtmetallguss oder Metallbearbeitung aus: Diese traditionell etwas renditeschwächeren Bereiche haben nach wie vor erheblichen Konsolidierungsbedarf: "Hier besetzt der Weltmarktführer meist nicht mehr als 15 Prozent des Marktes und die Top 5 der Anbieter kommen zusammen in der Regel auf weniger als die Hälfte", sagt Berret. "Die Rentabilität der einzelnen Zulieferer lässt sich also noch erheblich steigern." Allerdings ist angesichts relativ niedriger Margen und hoher Überkapazitäten kaum ein Investor bereit, in diese Branche zu investieren. "Gerät ein Zulieferer in Not, verfolgen die Fahrzeughersteller deshalb meist die Strategie, ihn zu stützen, indem sie beispielsweise Aufträge von stabileren Zulieferern abziehen oder das Unternehmen kontrolliert abwickeln", meint der Berater.

Ausbleibende Konsolidierung drückt Rendite
Ohne die erforderliche Marktbereinigung wird sich die Renditesituation in vielen Produktsegmenten nicht nachhaltig erholen. "Die durchschnittliche Rendite (EBIT-Marge) der Zulieferer in den NAFTA-Staaten, in Europa und Japan wird wegen der Zersplitterung der Branche und des weiter steigenden Preisdrucks in den nächsten drei bis vier Jahren kaum über drei bis vier Prozent hinauskommen", so Berret.
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