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ÖSTERREICH
 
 

Wirtschaftsraum CEE: Abstand zu Westeuropa wird nicht kleiner

Wirtschaftliche Bilanz nach 20 Jahren Ostöffnung

Wien, 25. November 2009

Auch 20 Jahre nach der Ostöffnung besteht eine wirtschaftliche Kluft zwischen West und Ost. Ein Umstand, der sich auch in den kommenden zehn Jahren nicht ändern wird, wie die aktuelle Studie "Twenty years of the CEE economic region – Assumptions for sustainable development" von Roland Berger Strategy Consultants zeigt. Die Thesen zur wirtschaftlichen Zukunft der Region wurden Mittwoch Abend im Rahmen des CE Business Clubs von Erste Group und dem IDM mit über 100 österreichischen Führungskräften diskutiert.

"20 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ist die wirtschaftliche Kluft zwischen West- und Osteuropa nicht kleiner geworden", sagt Vladimir Preveden, Managing Partner im Zagreber Büro von Roland Berger. Zwar galt Mittel- und Osteuropa seit dem Jahr 2000 als Boom-Region, doch in den Jahren 1989 bis 1995 schrumpften die Volkswirtschaften transformationsbedingt jährlich um durchschnittlich acht Prozent. Österreich weist im Vergleichszeitraum ein jährliches Plus von 2,4% auf. Erst Mitte der 1990-er Jahre folgte die wirtschaftliche Stabilisierung. Als erstes Land erreichte Polen 1995 wieder das wirtschaftliche Niveau von 1989, gefolgt von Slowenien (1998) und Ungarn (2000). Serbien und die Ukraine erreichen selbst heute nur 70% des BIPs von vor 20 Jahren.

Wirtschaftlich erfolgreich wurde CEE ab der Jahrtausendwende. "In den vergangen 10 Jahren lag das jährliche Wirtschaftswachstum bei durchschnittlich fünf Prozent – und damit rund doppelt so hoch wie in Westeuropa", erklärt Ingrid Krenn-Ditz, Leiterin der Abteilung EU-Affairs der Erste Group AG. Wachstumskaiser waren Russland (6,8% pro Jahr) und die Ukraine (6,2%), gefolgt von Bulgarien (5,5%) und Rumänien (5,4%). "Diese Länder hatten aber zuvor mit den größten Einbrüchen zu kämpfen", so Krenn-Ditz. Außer Polen, das heute 177% des BIPs von 1989 erwirtschaftet, konnte kein Land den Abstand zu Westeuropa deutlich verringern. Österreich kommt auf 158% und liegt damit vor allen anderen CEE-Staaten.

Wie es wirtschaftlich mit der Region weitergeht, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. "Ich persönlich bin vorsichtig optimistisch. Auch wenn aktuelle Strukturschwächen die Krise in CEE verstärken, sprechen der nach wie vor große Aufholbedarf, Produktionskostenvorteile bei rasch steigenden Produktivitätskennzahlen sowie das hohe Ausbildungsniveau junger Arbeitnehmer und hohes Maß an Entrepreneurship für ein weiteres Wachstum in der Region", sagte Roland Falb, Managing Partner der Danube Region von Roland Berger, bei seiner Begrüßung. Der Berater rechnet mittelfristig wieder mit einem leichten "Thermik-Effekt" für Österreichs Wirtschaft durch Mittel- und Osteuropa.

Einkommen in Mitteleuropa gleichmäßig verteilt
Auch für die Menschen bedeuteten die ersten zehn Jahre nach der Wende einen deutlichen Verlust sozialer Sicherheit. So stieg die Arbeitslosigkeit von nahezu Null in kommunistischer Zeit auf über zehn Prozent 1995. 2008 sank sie auf durchschnittlich 8,4%, wobei Serbien mit einer Rekordquote von 31% die Statistik negativ beeinflusst. Hinsichtlich der Kaufkraft erreichten 1989 die am höchsten entwickelten kommunistischen Länder etwa zwei Drittel des österreichischen Niveaus. Ein Wert, den 20 Jahre später die erfolgreichsten Reformstaaten Slowenien (73%) und Tschechien (63%) wieder erreichen. "Man muss jedoch dazu sagen, dass sich Österreich im europäischen Vergleich wirtschaftlich überdurchschnittlich gut entwickelt hat und die Ostöffnung Treiber dieser Entwicklung war", so Preveden.

Auch die Einkommenssituation verbesserte sich in den vergangenen zehn Jahren deutlich. Erfreulich ist vor allem die Verteilung der Einkommen. Beim GINI-Koeffizienten, der die Einkommensverteilung einer Volkswirtschaft misst, liegt Slowenien hinter Schweden weltweit auf Platz zwei, Tschechien und die Slowakei belegen die Plätze sechs und sieben. Zum Vergleich: Österreich liegt auf Rang neun. Besonders ungerecht verteilt sind Einkommen nur in Russland (78.), auch in Polen (47.) klafft die Einkommensschere relativ weit auseinander.

CEE als Managementregion wird an Bedeutung verlieren
Trotz der positiven Entwicklung wird sich der wirtschaftliche Abstand zu Westeuropa bis 2020 nicht verkleinern. Innerhalb der Region werden die Unterschiede aber deutlich zunehmen: "Die mitteleuropäischen Staaten sind schon jetzt voll entwickelte Marktwirtschaften, Polen ist auf dem Weg dorthin. Diese Länder müssen sich nun als High Tech-Standort positionieren. Ungarn steht allerdings, wie auch die Südosteuropäischen Staaten und die Ukraine, vor großen strukturellen und finanziellen Schwierigkeiten. Das wird die konjunkturelle Entwicklung in den nächsten Jahre negativ beeinflussen", so der Berater. Rumänien und Bulgarien werden auch 2020 attraktive Produktionsstandorte bleiben, während sich Russland vor allem als Investor positionieren wird.

Die unterschiedlichen Entwicklungen werden dafür sorgen, dass CEE als Managementregion an Bedeutung verlieren wird. "Kleinere Länder werden schon jetzt zu Subregionen wie Südost- (SEE) und Zentraleuropa (CE) zusammengeschlossen. Die GUS-Staaten bilden die Managementregion CIS. Größere Länder wie Polen oder Rumänien werden in Zukunft vermehrt eigenständig betrachtet werden", so Preveden.
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