Türkei: Ein neuer Wachstumsmarkt vor der Haustür
Roland Berger untersucht Investitionspotenzial für österreichische Unternehmen
Die Türkei entwickelt sich mehr und mehr zum zentralen europäischen Wachstumsmarkt. Während die mittel- und osteuropäischen Länder (MOE) hart von der Wirtschaftskrise getroffen wurden, wuchs die türkische Wirtschaft 2010 um 8,2 Prozent. Stabile politische Rahmenbedingungen, Privatisierungen und Strukturreformen sorgen für ein investorenfreundliches Umfeld und machen das Land zum unverzichtbaren Teil in den strategischen Planungen europäischer Unternehmen. Für österreichische Unternehmen ist die Türkei als Sprungbrett in den Nahen Osten und nach Afrika sowie als risikoarme Ergänzung zu Russland- und GUS-Engagements interessant. Für österreichische Unternehmen sind vor allem die Bereiche Finanzdienstleistung, Energie, Bau- und Bauzulieferer, Automobilzulieferer sowie Maschinen- und Anlagenbau interessant. Das sind die Ergebnisse der neuen Studie "Turkey's prospects for Austrian companies".
Nach dem Ende des Booms in Mittel- und Osteuropa müssen sich österreichische Unternehmen nach neuen Wachstumsmärkten umsehen. Die Türkei bietet sich als sehr attraktive Alternative vor der Haustüre an, wurde aber bisher – von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen – in der langfristigen strategischen Planung nicht berücksichtigt. Das ist Land für heimische Investoren vor allem aus mehreren Gründen attraktiv: So stellt das Land mit seinen 73,3 Millionen Einwohnern einen großen, weit entwickelten und diversifizierten Binnenmarkt dar. Darüber hinaus wird das Wirtschaftswachstum in den nächsten Jahren zwischen vier und fünf Prozent liegen und damit deutlich höher ausfallen als in anderen MOE-Ländern. Zweitens eignet sich die Türkei als "Hub" für den Nahen Osten und Afrika.
Bürokratie und fehlendes Eigenkapital Hauptprobleme
Wollen österreichische Unternehmen den türkischen Markt erschließen, gilt es, einige Besonderheiten zu beachten: Die türkische Wirtschaft wird von lokalen Unternehmenskonglomeraten dominiert, die seit mehreren Generationen in Familienbesitz sind. So erwirtschaftet die Koç-Holding, die größte Unternehmensgruppe des Landes, mehr als fünf Prozent des türkischen BIPs. Mehrheits- oder Komplettübernahmen sind durch die Wirtschaftsstruktur in der Türkei eher selten. Für ausländische Investoren bieten sich strategische Partnerschaften für den Markteintritt an. Probleme für westliche Unternehmen orten die Berater bei fehlender Transparenz, der überbordenden Bürokratie und dem mangelnden Zugang zu Eigenkapital. Auch wenn sich in den vergangenen Jahren viel getan hat, zählen diese Punkte im internationalen Vergleich nach wie vor zu den Standortnachteilen.
Bankensektor attraktive für Investoren
Am interessantesten für internationale Investoren ist derzeit der türkische Bankensektor: Der Markt hat enormes Entwicklungspotenzial. Noch immer haben rund neun Prozent der Türken kein Konto, in Westeuropa liegt dieser Wert bei drei bis fünf Prozent. Wir rechnen damit, dass sich die Einlagen in den kommenden fünf Jahren mehr als verdoppeln werden. Auch für österreichische Banken wäre die Türkei eine ideale Ergänzung zu den Engagements in Russland und der Ukraine. Bisher sind jedoch nur die UniCredit (Yapi Kredi) und die RIAG als Nischen-Player vertreten. Der türkische Markt ist relativ reif und erfordert andere Strategien als in anderen mittel- und osteuropäischen Märkten. In vielen Fällen ist daher eine Nischenstrategie zielführender als ein Full-Service-Ansatz.
Energiesektor mit neuen Möglichkeiten
Für österreichische Investoren hält der Energiesektor noch einige Möglichkeiten bereit. OMV und Verbund sind bereits stark auf dem türkischen Markt präsent. Anstehende Privatisierungen bei den Energieversorgern, das Thema erneuerbare Energien und der Bereich Entsorgung und Recycling bieten weitere attraktive Einstiegsmöglichkeiten. Auch für heimische Automobilzulieferer ist die Türkei ein attraktiver Wachstumsmarkt mit einer stabilen Binnennachfrage, attraktiven Kostenstrukturen, hohen Qualitätsstandards und einer gut ausgebauten Logistikinfrastruktur. Schon jetzt werden in der Türkei rund eine Million Fahrzeuge pro Jahr gefertigt, bis 2015 soll dieser Wert auf 1,6 Mio. ansteigen. Weitere mögliche Investitionsziele sind die Bereiche Bau- und Bauzulieferer, Automobilzulieferer sowie Maschinen- und Anlagenbau. Die Zeit für einen Einstieg ist günstig, das Zeitfenster jedoch relativ klein. Für österreichische Unternehmen ist die Türkei sicher eine mögliche Alternative zu Asien, die sie sich anschauen sollten.
Die Türkei entwickelt sich mehr und mehr zum zentralen europäischen Wachstumsmarkt. Während die mittel- und osteuropäischen Länder (MOE) hart von der Wirtschaftskrise getroffen wurden, wuchs die türkische Wirtschaft 2010 um 8,2 Prozent. Stabile politische Rahmenbedingungen, Privatisierungen und Strukturreformen sorgen für ein investorenfreundliches Umfeld und machen das Land zum unverzichtbaren Teil in den strategischen Planungen europäischer Unternehmen. Für österreichische Unternehmen ist die Türkei als Sprungbrett in den Nahen Osten und nach Afrika sowie als risikoarme Ergänzung zu Russland- und GUS-Engagements interessant. Für österreichische Unternehmen sind vor allem die Bereiche Finanzdienstleistung, Energie, Bau- und Bauzulieferer, Automobilzulieferer sowie Maschinen- und Anlagenbau interessant. Das sind die Ergebnisse der neuen Studie "Turkey's prospects for Austrian companies".
Nach dem Ende des Booms in Mittel- und Osteuropa müssen sich österreichische Unternehmen nach neuen Wachstumsmärkten umsehen. Die Türkei bietet sich als sehr attraktive Alternative vor der Haustüre an, wurde aber bisher – von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen – in der langfristigen strategischen Planung nicht berücksichtigt. Das ist Land für heimische Investoren vor allem aus mehreren Gründen attraktiv: So stellt das Land mit seinen 73,3 Millionen Einwohnern einen großen, weit entwickelten und diversifizierten Binnenmarkt dar. Darüber hinaus wird das Wirtschaftswachstum in den nächsten Jahren zwischen vier und fünf Prozent liegen und damit deutlich höher ausfallen als in anderen MOE-Ländern. Zweitens eignet sich die Türkei als "Hub" für den Nahen Osten und Afrika.
Bürokratie und fehlendes Eigenkapital Hauptprobleme
Wollen österreichische Unternehmen den türkischen Markt erschließen, gilt es, einige Besonderheiten zu beachten: Die türkische Wirtschaft wird von lokalen Unternehmenskonglomeraten dominiert, die seit mehreren Generationen in Familienbesitz sind. So erwirtschaftet die Koç-Holding, die größte Unternehmensgruppe des Landes, mehr als fünf Prozent des türkischen BIPs. Mehrheits- oder Komplettübernahmen sind durch die Wirtschaftsstruktur in der Türkei eher selten. Für ausländische Investoren bieten sich strategische Partnerschaften für den Markteintritt an. Probleme für westliche Unternehmen orten die Berater bei fehlender Transparenz, der überbordenden Bürokratie und dem mangelnden Zugang zu Eigenkapital. Auch wenn sich in den vergangenen Jahren viel getan hat, zählen diese Punkte im internationalen Vergleich nach wie vor zu den Standortnachteilen.
Bankensektor attraktive für Investoren
Am interessantesten für internationale Investoren ist derzeit der türkische Bankensektor: Der Markt hat enormes Entwicklungspotenzial. Noch immer haben rund neun Prozent der Türken kein Konto, in Westeuropa liegt dieser Wert bei drei bis fünf Prozent. Wir rechnen damit, dass sich die Einlagen in den kommenden fünf Jahren mehr als verdoppeln werden. Auch für österreichische Banken wäre die Türkei eine ideale Ergänzung zu den Engagements in Russland und der Ukraine. Bisher sind jedoch nur die UniCredit (Yapi Kredi) und die RIAG als Nischen-Player vertreten. Der türkische Markt ist relativ reif und erfordert andere Strategien als in anderen mittel- und osteuropäischen Märkten. In vielen Fällen ist daher eine Nischenstrategie zielführender als ein Full-Service-Ansatz.
Energiesektor mit neuen Möglichkeiten
Für österreichische Investoren hält der Energiesektor noch einige Möglichkeiten bereit. OMV und Verbund sind bereits stark auf dem türkischen Markt präsent. Anstehende Privatisierungen bei den Energieversorgern, das Thema erneuerbare Energien und der Bereich Entsorgung und Recycling bieten weitere attraktive Einstiegsmöglichkeiten. Auch für heimische Automobilzulieferer ist die Türkei ein attraktiver Wachstumsmarkt mit einer stabilen Binnennachfrage, attraktiven Kostenstrukturen, hohen Qualitätsstandards und einer gut ausgebauten Logistikinfrastruktur. Schon jetzt werden in der Türkei rund eine Million Fahrzeuge pro Jahr gefertigt, bis 2015 soll dieser Wert auf 1,6 Mio. ansteigen. Weitere mögliche Investitionsziele sind die Bereiche Bau- und Bauzulieferer, Automobilzulieferer sowie Maschinen- und Anlagenbau. Die Zeit für einen Einstieg ist günstig, das Zeitfenster jedoch relativ klein. Für österreichische Unternehmen ist die Türkei sicher eine mögliche Alternative zu Asien, die sie sich anschauen sollten.

