• Alumni  
  • FacebookTwitterLinkedInXingRSS
  • Weitere Webseiten
 
ÖSTERREICH
 
 

Europas Unternehmen wachsen schneller, nachhaltiger und profitabler als ihre internationale Konkurrenz

Hauptcharakteristika der europäischen Unternehmensführung: Langfristige strategische Ausrichtung, Differenzierbarkeit, kulturelle Vielfalt, soziale und nachhaltige Orientierung

Die jüngste Finanz- und Wirtschaftskrise hat gezeigt, dass das europäische Managementmodell dem amerikanischen überlegen ist. Zu den Stärken Europas zählen langfristiges Denken, hohe industrielle Kompetenz, Differenzierung durch Produkte und Leistungen sowie die Fähigkeit, aus Vielfalt Kreativität zu schöpfen. Zu den Schwächen des amerikanischen Führungsstils gehören seine Ausrichtung auf kurzfristige Gewinne, sein zu starker Fokus auf Kapitalmärkte und Finanzen, ein missverstandenes Shareholder-Value-Denken sowie eine systematische Unterschätzung der Komplexität. Aus dieser Analyse lassen sich Ansätze für eine bessere Unternehmensführung ableiten, die letztlich auf dem besseren Umgang mit Strategien, Strukturen, Kapitalmärkten, Werten und Bildung beruhen. Ein leistungsfähiges Europa wird es den europäischen Unternehmen ermöglichen, die überlegene Unternehmensführung auszuspielen und ihre Potenziale zu nutzen. Dies sind die wichtigsten Thesen, die Prof. Dr. Burkhard Schwenker, Aufsichtsratsvorsitzender von Roland Berger Strategy Consultants in seinem neuen Buch aus der Reihe rethink:CEO formuliert: "Europa führt! Plädoyer für ein erfolgreiches Managementmodell".

"In Wirtschaft und Gesellschaft müssen wir dringend häufiger über die Chancen, Perspektiven und Potenziale reden, die Europa für uns eröffnet“, schreibt Schwenker. "Dieser positive Ansatz ist allein schon deswegen wichtig, um einen bewussten Kontrapunkt zum Duktus der aktuellen Diskussion über Europa zu setzen", argumentiert der Aufsichtsratsvorsitzende der internationalen Strategieberatung gegen den oft Europapessimistischen Mainstream.

Europas führende Position im globalen Wettbewerb
Der kräftige Wirtschaftsaufschwung nach der Krise ist laut Schwenker – neben den Auftriebskräften in China und Indien – vor allem den Stärken Europas und seiner überlegenen Unternehmensführung zu verdanken. Deren Hauptmerkmale seien: langfristige strategische Ausrichtung, Differenzierung durch Produkte und Dienstleistungen sowie internationale und dezentrale Aufstellung. Die Stärke der europäischen Volkswirtschaft und die Erfolge der europäischen Unternehmen seien quantifizierbar – ein Leistungsvergleich der 3000 größten kapitalmarktorientierten Unternehmen der Welt für den Zeitraum 1998 bis 2008 hat ergeben, dass die europäischen Unternehmen die wirklichen Global Players sind. 27% dieser 3000 Unternehmen sind europäisch. Diese 27% stehen für 34% des Gesamtumsatzes der untersuchten Unternehmen und für 42% ihrer Gesamtgewinne. Diese Zahlen belegen, dass die europäischen Unternehmen schneller und vor allem profitabler wachsen, internationaler aufgestellt und nachhaltiger ausgerichtet sind, meint Schwenker.

Nachteile des amerikanischen Managementmodells
Schwenker attestiert Europa eine „Handwerkskultur", die für Bodenhaftung, soziale Einbindung und langfristige Orientierung steht, während sich Nordamerika durch eine „Händler-Mentalität" auszeichnet, die auf Effizienz, Schnelligkeit und hohe Rendite fokussiert. In der letzen Wirtschaftskrise seien die Schwächen des amerikanischen Managementstils, wie etwa kurzfristige Orientierung und starke Fixierung auf die Kapitalmärkte, für alle sichtbar geworden. Viele amerikanische Manager verzichten zunehmend auf Investitionen in industrielle Fertigung und Produktion und konzentrieren sich stattdessen auf vermeintlich lukrative Geschäftsaktivitäten, erklärt Schwenker.

Ansätze für eine bessere Unternehmensführung
Aus der Analyse beider Managementmodelle entwirft Schwenker in seinem neuen Buch Ansätze für eine bessere Unternehmensführung. Dazu gehören unter anderem das Entwickeln und Umsetzen langfristig orientierter Unternehmensstrategien, die auf den Aufbau von Wettbewerbsvorteilen und die Sicherung von Ressourcen zielen. Zudem plädiert Schwenker für eine stärkere Dezentralisierung in der Unternehmensstruktur und ein besseres Zusammenspiel von Aufsichtsrat und Vorstand. Führung müsse sich an Werten orientieren, Bildung interdisziplinärer werden.

Europas Unternehmen brauchen die europäische Integration
Um diesen Weg europäischer Unternehmensführung zu verwirklichen, braucht es jedoch mehr als das Engagement der Unternehmen, denn diese Idee ist unmittelbar verknüpft mit der europäischen Integration. Europas Unternehmen besitzen Kreativität, um Industrie und Dienstleistungen intelligent zu verbinden, und die gemeinsamen europäischen Werte legen eine gute Grundlage für nachhaltiges Wachstum. Daher empfiehlt Schwenker Unternehmenslenkern und der Politik in Europa, gezielt neue Projekte anzugehen: "Was fehlt, ist ein neues Projekt, das eine mitreißende Dynamik entfaltet wie der Binnenmarkt Mitte der achtziger Jahre unter Jacques Delors. Also eines, das ganz konkret auf die wirtschaftlichen Vorteile für jeden Europäer abstellt." Diese Projekte sollten den Rahmen schaffen, in dem die europäischen Unternehmen ihre Stärken nutzen und ausspielen können.

Wichtig sei, dass die Projekte für Europa ein Puzzle füllen, dessen vier Kanten die großen Herausforderungen und Trends bilden: die Industrie durch eine neue Binnenmarkt- und Energiestrategie stärken, Klimawandel und Ressourcenknappheit durch Green Tech als neue Chance für Unternehmen betrachten, die Folgen des demographischen Wandels durch Migration und Mobilität abschwächen sowie künftige Finanzkrisen durch Insolvenzverfahren und Währungsfonds bekämpfen, erläutert Schwenker.
24.02.2011
Top

Weitere news