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Drittes Roland Berger-Szenario zur Konjunkturentwicklung

Drittes Roland Berger-Szenario zur Konjunkturentwicklung
Die Erholung der Weltwirtschaft setzt sich 2010 fort, in der Folge auch positive Wachstumsaussichten für Europa


CEO Prof. Dr. Burkhard Schwenker stellte die neuesten Einschätzungen der Berater zur weltweiten Konjunkturentwicklung 2010 Ende Jänner in Frankfurt vor. Die aktuelle Perspektive bestätigt die zwei vorherigen Roland Berger Konjunkturszenarien, die bereits im Herbst 2008 eine V-förmige Erholung der Wirtschaft für ein wahrscheinliches Szenario hielten. Für das laufende Jahr hat sich die Erholungsperspektive deutlich verstetigt. "Wir haben sieben wichtige Kriterien identifiziert, mit denen sich beurteilen lässt, welches Konjunkturszenario realistisch ist – und die Meilensteine auf fast allen Feldern weisen auf eine rasche wirtschaftliche Erholung hin", so Schwenker.

Die heute veröffentlichte Konjunktureinschätzung von Roland Berger Strategy Consulting ist bereits die dritte seit Beginn der Krise. Schon die ersten Szenarien hielten die V-Kurve für wahrscheinlich – gegen den Mainstream der Prognostiker. "Zwar haben auch wir im November 2008 die Heftigkeit der Rezession unterschätzt, aber wir haben damals bereits die Auftriebskräfte für eine Erholung richtig eingeschätzt, zum Beispiel die Dynamik in China", sagte Schwenker in Frankfurt. "Und in der zweiten Ausgabe, im April 2009, haben wir die Meilensteine und Wendepunkte identifiziert, die über die realen Chancen einer V-Kurve entscheiden."

Allerdings gelte auch: "Nach wie vor kann man den Indikatoren und Prognosen nur schwer vertrauen. Die anhaltende Hausse an den Weltbörsen zum Beispiel wird sicher mindestens genauso stark vom billigen Geld der Zentralbanken gespeist wie von echtem Vertrauen in Fundamentaldaten."

Konjunkturmodelle haben versagt – Urteilsvermögen gefragt
Komplexe Konjunkturmodelle konnten den Abschwung nicht vorhersagen. Warum sollten sie also jetzt den Aufschwung verlässlich abbilden können? Schwenker: "Wir müssen akzeptieren, dass wir Zahlen und ganz besonders Prognosen nicht mehr trauen können, und dass es keine verlässlichen Trends gibt, die uns eine klare Richtung vorgeben und uns die eigene Entscheidung abnehmen würden. Stattdessen ist Urteilsvermögen gefragt und die Fähigkeit, die Entwicklung der wichtigsten sieben Parameter für die wirtschaftliche Entwicklung zu interpretieren." Dazu gehören neben der Entwicklung der Wachstumstreiber USA, China, Indien und Russland auch die möglichen Tendenzen zu Protektionismus, die Nachlaufeffekte der globalen Konjunkturprogramme, das Vorgehen der Geldpolitik, die Preisentwicklung an den Rohstoffmärkten, Auswirkungen der Regulierung auf den Finanzmärkten und die Stabilität der Arbeitsmärkte.

"Die Krise hat gezeigt: Wir brauchen den Mut zur eigenen Meinung", so Schwenker. "Das V-Szenario beschreibt den wahrscheinlichsten Verlauf der wirtschaftlichen Erholung. Wir rechnen damit, dass die Konjunktur im Laufe des Jahres 2010 anzieht." Mehr noch: "Wenn wir die richtigen Lehren aus der Krise ziehen, kann das beginnende Jahrzehnt eine Zeit echten, nachhaltigen Wohlstands für noch größere Teile der Welt werden. Für Deutschland und Europa bedeutet dies möglicherweise, dass der Weg aus der Krise die eigenen Stärken besonders belohnt. Denn industrielle Kompetenz zählt wieder." Deutschland ist hier bestens aufgestellt: Der Anteil der Industrie an der Volkswirtschaft liegt bei 24 Prozent, auch Kontinentaleuropa ist mit rund 18 Prozent noch recht stark. Dieser Anteil liegt in den USA beispielsweise nur bei 14 Prozent und in Großbritannien unter zehn Prozent.

" Vor eineinhalb Jahren spekulierte die Welt nicht nur über eine tiefe Rezession, sondern über einen kompletten Systemzusammenbruch", resümiert Schwenker. "Heute wissen wir: Die Weltwirtschaft hat sich als relativ robust erwiesen, der Systemzusammenbruch ist ausgeblieben. Es gibt also genügend Gründe für Optimismus."
04.02.2010
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