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ÖSTERREICH
 
 

Russland und Ukraine – Investieren in der Krise?

Russland und die Ukraine sind von der globalen Wirtschaftskrise besonders stark betroffen. Die Gründe für den Absturz liegen nicht nur in der globalen Finanzkrise, sondern auch in Struktur- und Effizienzproblemen und einer Überhitzung der Wirtschaft in den vergangenen Jahren. In der Ukraine beeinflusst die politische Instabilität die Wirtschaft zusätzlich. Von den Auswirkungen sind auch österreichische Unternehmen betroffen, die 51 Milliarden Euro in beiden Ländern investiert haben. Doch mittel- und langfristig sind die wirtschaftlichen Aussichten in beiden Märkten positiv. Roland Berger Strategy Consultants rät internationalen Investoren, sich an die geänderten Bedingungen anzupassen und sich schon jetzt auf den kommenden Aufschwung vorzubereiten.

"Österreich ist mit 51 Milliarden Euro in diesen Ländern engagiert, wobei 41 Milliarden auf Bankkredite und zehn Milliarden auf Direktinvestitionen entfallen", erklärte Dr. Uwe Kumm, GUS-Chef von Roland Berger, bei einem Business Breakfast in Wien.

Hauptproblem der beiden Volkswirtschaften ist die Fokussierung auf Rohstoffe. So entfallen 82% aller russischen Exporte auf Öl, Gas, Mineralien und Metalle, in der Ukraine sind es 44%. Produkte mit hoher Wertschöpfung werden hauptsächlich importiert. Dazu kommt, dass die Infrastrukturen in beiden Ländern stark vernachlässigt wurden. Ein Drittel der Straßen sind nur eingeschränkt benutzbar und das Schienennetzwerk ist veraltet. Durch die Wirtschaftskrise sind dringend notwendige Investitionen derzeit nur sehr eingeschränkt möglich. Das Problem wird sich weiter vergrößern. Auch hinsichtlich Effizienz und Innovationskraft wird die Krise den Abstand zu westlichen Unternehmen weiter vergrößern. So liegt die Produktivitätsrate von russischen Stahlunternehmen nur bei etwa 40% von westlichen, in der Ukraine ist dieser Wert sogar noch etwas niedriger.

Trotz der derzeit angespannten Situation ist die mittel- und langfristige Perspektive in beiden Ländern positiv. In Russland weisen die eingeleiteten Konjunkturmaßnahmen der Regierung in die richtige Richtung. Auch die Gründung von Staatsholdings in strategisch wichtigen Branchen ist kurzfristig ein möglicher Schritt zur Stabilisierung. Langfristig muss die Wirtschaft aber wieder mehr Autonomie erhalten. So wurde ein mit 55 Milliarden Euro dotiertes Stabilitätsprogramm verabschiedet und zusätzlich die Währung mit rund 150 Millionen Euro gestützt. Die Konjunkturmaßnahmen machen sechs Prozent der russischen BIP aus und sind damit im Verhältnis größer als die Krisenpakete der US-Regierung und der EU-Staaten.

Aufschwung relativ rasch erwartet
Obwohl derzeit fast alle Branchen in Russland mit Rückgängen zu kämpfen haben, bietet das Land internationalen Investoren weiterhin interessante Möglichkeiten. Die Weichen für die Zeit nach der Krise werden jetzt gestellt. Unternehmen müssen jetzt versuchen ihre bestehende Marktposition zu sichern und sich gleichzeitig für den kommenden Aufschwung vorbereiten. Mittelfristig werden diesen Aufschwung vor allem steigende Ölpreise ermöglichen. Auch die Absicherung des russischen Bankensystems wird maßgeblich zur Stabilisierung beitragen. Banken haben sich noch nicht ausreichend auf signifikante Kreditausfälle vorbereitet. Ausländischen Playern am Markt sollten rasch handeln und vor allem das Risikomanagement verbessern: Bei der Umsetzung hat sich ein pragmatischer Ansatz bewährt: Zuerst das Kreditportfolio analysieren und clustern, danach clusterspezifische Maßnahmen-pläne erstellen und parallel mit der Restrukturierung von Problemfällen zu beginnen. Letztendlich sorgen die rasche Implementierung und regelmäßige Anpassung der Maßnahmen für den entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Auch die Prognosen für den russischen Bausektor sind grundsätzlich positiv. Erwartete Rückgänge im Hochbau bis 2012 von durchschnittlich zwei Prozent pro Jahr werden teilweise durch eine Intensivierung des Tiefbaus kompensiert werden. Doch die ehrgeizigen Regierungspläne konnten schon in der Vergangenheit nicht realisiert werden. Aktuelle Budgetkürzungen wurden ebenfalls noch nicht berücksichtigt. Relativ unbeschadet hat bisher der Lebensmitteleinzelhandel die Krise überstanden. Vor allem russische Waren zählen zu den Krisengewinnern. Für internationale Unternehmen ist daher eine Anpassung ihrer Produkte an den russischen Markt besonders wichtig. Trotz dramatischer Markteinbrüche von 40-50% hat auch die Automobilindustrie in Russland durchaus Potenzial. Eine schnelle Markterholung bis 2011 ist durchaus wahrscheinlich. Vor allem die lokale Produktion profitiert von der Rubelabwertung und steigenden Importzöllen.

Aufschwung in Ukraine wird sich verzögern
Die Lage in der Ukraine ist etwas schwieriger: Nach einer Schrumpfung des BIP von sechs bis zehn Prozent 2009 wird die ukrainische Wirtschaft stagnieren oder bestenfalls langsam wachsen. Dazu kommt, dass das Land von internationalen Hilfskrediten abhängig ist. Wie in Russland sind auch in der Ukraine Maßnahmen zu Risikominimierung im Bankensektor notwendig, da sich der Zustand der meisten Institute weiter verschlechtern wird. Auch die ukrainische Stahlindustrie bracht drin-gend Investitionen um den Betrieb aufrechterhalten zu können. Der Hochbau ist praktisch zum Erliegen gekommen, ukrainische Banken haben die Kreditvergabe an Bauunternehmer und Verbraucher im zweiten Halbjahr 2008 gestoppt. Investitionen in Infrastrukturen laufen nur schleppend an.

Positiv entwickelt hat sich 2008 die ukrainische Landwirtschaft. Nach jahrelangen Ertragsrückgängen wurde ein Rekordjahr verbucht und dank neuer Investitionen ist weiteres Wachstumspotenzial – vor allem in der Weiterverarbeitung – vorhanden. Die Ukraine hat auch das Potenzial zur attraktiven Tourismusdestination. Allerdings fehlt dafür die notwendige Infrastruktur ebenso, wie die benötigten Hotelkapazitäten. Wenn es gelingt, das Land politisch zu stabilisieren, dann ist auch die Ukraine ein attraktiver Wachstumsmarkt für ausländischen Investoren.
28.04.2009
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