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ÖSTERREICH
 
 

Stimmung unter CEE-Managern sinkt

Unternehmen müssen strukturelle Maßnahmen setzen

Die Stimmung unter mittel- und osteuropäischen Führungskräften hat sich gegenüber dem 4. Quartal 2008 deutlich eingetrübt. 63 Prozent rechnen mit einer weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation, 30 Prozent schätzen die Lage nach wie vor als unklar ein. Nur noch fünf Prozent glauben an einen Aufschwung in diesem Jahr. Besonders betroffen sind neben dem Automotive-Sektor und der verarbeitenden Industrie vor allem die Metallindustrie. In diesen Bereichen werden Umsatzrückgänge von 25-50 Prozent erwartet. Unabhängig von Land und Branche machen Auftragsrückgänge, eine gesunkene Zahlungsmoral und Finanzierungsprobleme Unternehmen am meisten zu schaffen. Kostensenkungen und weitere Budgetkürzungen stehen bei allen befragten Managern auf der Agenda, gefolgt von Einstellungs- (83%) und Investitionsstopps (72%).

In Mittel- und Osteuropa wurde Österreich im dritten Quartal 2008 von der Finanzkrise erfasst, die anderen Länder waren einige Wochen später davon betroffen. Wie sehr sich die Stimmung in der Region gedreht hat, zeigen die Umfrageergebnisse. So stieg die Zahl der Pessimisten um acht auf nunmehr 63 Prozent. Die Zahl jener Manager, die die Situation als unklar beschreiben, sank um sechs auf 30 Prozent, die der Optimisten von acht auf fünf Prozent. Besonders pessimistisch zeigten sich in der Umfrage russische, ukrainische und rumänische Manager. Am optimistischsten sind Österreicher und Polen. Je weiter östlich und südlich, desto schlechter ist auch die Stimmung.

Konjunkturpakete nur mangelhaft umgesetzt
Generell gehen die CEE-Manager nicht mehr von einer Wachstumsdelle, sondern von einem BIP-Rückgang von bis zu 5% für ihr Land aus. Um die Auswirkungen der Wirtschaftskrise zu minimieren, wurden in allen Ländern Konjunkturpakete zur Ankurbelung der Wirtschaft geschnürt. In den Augen der befragten Manager werden jedoch Prioritäten falsch gesetzt oder wichtige Projekte nicht oder nur mangelhaft umgesetzt. Kritisiert wird vor allem das Fehlen von steuerlichen Maßnahmen und Infrastrukturprogrammen. Vor allem rumänische, ukrainische und kroatische Führungskräfte sind mit dem Krisenmanagement ihrer Regierungen sehr unzufrieden. Am positivsten bewerten österreichische und russische Manager die Konjunkturpakete ihrer Länder und deren Umsetzung.

Unabhängig von Branche und Land sehen Unternehmen in CEE vor allem Auftragsrückgänge (62%) und eine deutlich schlechtere Zahlungsmoral (57,1%) als direkte Folge der Krise. An dritter Stelle folgen in den meisten Ländern Schwierigkeiten bei der Finanzierung. Hier liegt Kroatien (65,9%) vor Ungarn (59,5%) und Polen (52,9%). In Tschechien liegen Konkurse von Kunden (50%) auf dem dritten Platz. Ein Problem, mit dem auch 56,1% der rumänischen Unternehmen zu kämpfen haben. In Österreich steht mit "gesunkenen Beschaffungskosten" (45,7%) sogar ein positiver Aspekt auf Platz drei.

Hinsichtlich der Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf das eigene Unternehmen zeigen sich polnische Manager am zuversichtlichsten: 65% erwarten, mit einer Wachstumsdelle oder einem Null-Wachstum durch das laufende Geschäftsjahr zu kommen. Optimistisch sind noch rumänische (58%) und kroatische Manager (42%). In beiden Ländern wird aber der Ernst der Lage von vielen Managern noch verkannt. Am pessimistischsten zeigen sich russische und ukrainische Führungskräfte: Hier erwarten 82% der russischen und 68% der ukrainischen Manger einen Umsatzrückgang von mehr als 10%. Auf dem dritten Platz liegt Österreich mit 51%.

Strukturmaßnahmen zu wenig bedacht
Eine Erholung in weniger als ein bis zwei Jahren erscheint auch in CEE immer unwahrscheinlicher. In einigen Branchen, wie beispielsweise der verarbeitenden Industrie, wäre eine Durststrecke von drei Jahren und länger keine Überraschung mehr. Am stärksten von der Krise betroffen sind Branchen, die einen signifikanten Beitrag zum BIP des jeweiligen Landes leisten. Das verschärft die Situation zusätzlich. Am schlimmsten hat es Automobilproduzenten und deren Zulieferer erwischt. 38% der befragten Unternehmen in diesem Bereich rechnen mit einem Umsatzrückgang von mehr als 50%, 44% der Manager rechnen damit, dass die Krise ihre Branche für die nächsten Jahre beeinflussen wird. Ähnlich negativ wird die Situation in der verarbeitenden Industrie eingeschätzt, allerdings wird die Dauer der Krise auf unter drei Jahre geschätzt. Relativ unbeeindruckt zeigen sich der Einzelhandel und der Dienstleistungsbereich. Hier werden für die kommenden Jahre sogar leichte Zuwächse erwartet.

Unternehmen haben rasch auf die Krise reagiert. Kosten wurden gesenkt, Budgets gekürzt und nicht unbedingt notwendige Investitionen aufgeschoben. Im operativen Bereich wurde bereits viel getan. Aber über Strukturmaßnahmen haben Unternehmen bis dato noch kaum nachgedacht. Über Themen wie Änderungen in der Kapitalstruktur, Zukäufe in Krisenzeiten aber auch Desinvestitionen und das Schließen von Unternehmensstandorten machen sich derzeit weniger als 30% der befragten Manager Gedanken.

Für 2009 sind es vor allem drei Themen, die auf der Agenda der CEE-Manager ganz oben stehen müssen: Die kurzfristige Sicherstellung von Liquidität, eine strukturelle Anpassung der Betriebsabläufe, aber auch nach Möglichkeiten zu suchen, um von der beginnenden Marktkonsolidierung zu profitieren.
19.03.2009
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