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ÖSTERREICH
 
 

Herausforderung Breitband

Roland Berger und UniCredit untersuchen Breitbandmärkte in Mittel- und Osteuropa

Eine geringe Festnetzpenetration und vergleichsweise hohe Kosten für den Konsumenten verzögern den Siegeszug von Breitband in Mittel- und Osteuropa (MOE). Nur etwas mehr als ein Viertel der Haushalte verfügt über einen Breitbandzugang und nur sieben Prozent surfen mobil. Doch die geringe Festnetzpenetration lässt in den kommenden Jahren überdurchschnittliche Wachstumsraten bei mobilem Breitband in MOE erwarten. Mobilfunkbetreiber stellen rasch wachsende Kundenzahlen und die Forderung nach immer größeren Bandbreiten vor technische Herausforderungen. Wie diese zu bewältigen sind, zeigt die zweite Ausgabe des "CEE Weather Report – Telecom" von Roland Berger Strategy Consultants und UniCredit CAIB.

Während in Westeuropa rund 60% aller Haushalte über einen Breitbandzugang ver-fügen und 50% mobiles Breitband nutzen, ist die Situation in Mittel- und Osteuropa gänzlich anders. Nur 27,2% der Haushalte haben einen fixen Breitbandanschluss und ganze 7% surfen mit mobilem Breitband. Im Festnetzbereich ist das Wachstumspotenzial in der Region durch die fehlende Infrastruktur begrenzt. Hohe Wachstumsraten lassen sich eher mit mobilem Breitband und in urbanen Regionen erzielen. Bei Breitband im Festnetzbereich führend sind Tschechien (42,6%), Ungarn (39,1%) und die Türkei (37,4%). Am anderen Ende der Tabelle findet sich die Ukraine mit 7,1%. Bei mobilem Breitband führt Rumänien (13,8%) vor Polen (10,6%) und Ungarn (7,4%). Praktisch keine mobilen Breitbandanschlüsse gibt es in der Ukraine (0,04%).

Breitband in MOE teurer
Neben der geringen Festnetzpenetration ist das deutlich höhere Preisniveau im Osten Hauptgrund für die geringere Verbreitung von Breitband in MOE. Kostet ein Festnetz DSL-Paket mit Flat Rate und einer Bandbreite von 6-8 Mbps in Westeuropa durchschnittlich 23,3 EUR, liegt dieser Wert in MOE bei 28,8 EUR. Im Mobilbereich kostet ein GB mit Vertragsbindung und einer Bandbreite von 3,6 Mbps in MOE durchschnittlich 3,7 EUR, in Österreich rund 2,9 EUR. Umgerechnet auf die Kaufkraft der Konsumenten kostet Breitband in Mittel- und Osteuropa rund vier Mal mehr als in Westeuropa. Trotzdem rechnet der Studienautoren, dass eine Breitbandpenetration von 100% in West- und Osteuropa um das Jahr 2012 herum erreicht sein wird. Es gibt jedoch einen großen Unterschied zwischen beiden Regionen. In Westeuropa wird mobiles Breitband als Ergänzung zum Festnetz gesehen, in Mittel- und Osteuropa werden mobile Angebote fixe Lösungen teilweise ersetzen.

Größere Bandbreiten als Herausforderung für Anbieter
Unabhängig von der Region stellt die ständig steigende Nachfrage nach immer größeren Bandbreiten die Telekombetreiber vor neue Herausforderungen. Treiber für diese Entwicklung sind hauptsächlich Multimedia Applikationen, Videos und Online-Spiele. Mobilfunkbetreiber stehen hier vor großen technischen Herausforderungen. Mittelfristig, in zwei bis drei Jahren, sehen die Experten drei Optionen, die Bandbreiten zu vergrößern: Eine Reduzierung der Zellengröße bis zu einer Abdeckung mittels Femtozellen, das Upgrade von UMTS auf LTE (Long Term Evolution, 3.9G) oder der Umstieg auf WiMAX. Geringere Kosten und weniger technische Probleme sind die Hauptgründe, die für ein Upgrade statt dem Umstieg auf eine neue Technologie sprechen. Doch WiMAX 802.16e gilt als revolutionäre Alternative und soll Mitte 2009 verfügbar sein. Der russische Anbieter Comstar will mit WiMAX 802.16e schon im zweiten Quartal 2009 in den Testbetrieb. Ein breiter Roll-Out von LTE hingegen ist in MOE nicht vor 2011 zu erwarten. Trotzdem werden dem Update gute Chancen eingeräumt, UMTS zu beerben. Einige Anbieter, wie beispielsweise Turkcell, haben ihre Pläne zur Einführung von WiMAX verschoben und setzen auf LTE.

MOE als Zukunftsregion
Generell bleibt MOE auch in den kommenden Jahren ein wichtiger Wachstumsmarkt für europäische Telekombetreiber. Die Entwicklung wird sich jedoch weiterhin auf die urbanen Räume konzentrieren. Darüber hinaus rechnen wir – im Gegensatz zu Westeuropa – in einigen Ländern noch mit Wachstumsraten im Festnetzbereich. So soll in den kommenden fünf Jahren die Breitbandpenetration in Russland von derzeit 14,6% auf 34,3% steigen, in der Türkei von 37,4% auf 53,8% und in Bulgarien von 16,6% auf 31,5%. Gesamt betrachtet wird jedoch der fixe Breitbandmarkt in West- wie auch in Osteuropa um rund 10% wachsen.
27.02.2009
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