Rohstoffe bleiben knapp und werden wieder teurer
Trotz derzeitiger Tiefstände werden die Rohstoffpreise mittel- und langfristig wieder deutlich ansteigen. Gerade europäische Unternehmen müssen sich mit dieser Thematik auseinandersetzen, da die europäische Wirtschaft massiv auf Rohstoffimporte angewiesen ist. Zur langfristigen Absicherung des Ressourcenzugangs gilt es, Energie- und Materialeffizienz zu steigern sowie strategische Instrumentarien einzusetzen (Rückwärtsintegration, Allianzen). Es bedarf zudem moderner Finanzinstrumente und eines neuen Zusammenspiels von Wirtschaft und Politik. Das sagte Roland Berger-CEO, Prof. Dr. Burkhard Schwenker, bei einem Vortrag im Wiener Haas-Haus. Der Strategieberater diskutierte mit ausgewählten österreichischen Vorständen das Thema "Rohstoffsicherheit für Unternehmen".
"Die Finanzkrise mit ihren Auswirkungen auf die Realwirtschaft kann Topmanager dazu verführen, wichtige strategische Themen wie die Frage der Rohstoffsicherheit aus den Augen zu verlieren", sagte Schwenker. Schon die technischen Aspekte der Rohstoffgewinnung und -förderung sowie die mittelfristig wieder zu erwartende höhere Nachfrage deuten auf steigende Preise hin. Aktuelle Kürzungen bei Förderungen und Investitionen in die Erschließung neuer Förderstätten lassen erwarten, dass das Angebot erneut sinken werde. Dazu kommen Schwenker zufolge das globale Bevölkerungswachstum und der zunehmende Rohstoffhunger, vor allem der BRIC-Staaten. Hohe Nachfrage und begrenzte Förderkapazitäten erzeugten automatisch Preisdruck. Auch die Weltbank rechne damit, dass der Ölpreis Ende 2009 wieder bei 75 Dollar liegen werde. Auf den Terminmärkten werde Rohöl zu kommendem Dezember mit einem Aufschlag von 50 Prozent gehandelt. Bei Industriemetallen zeichne sich ein ähnlicher Trend ab.
Europäische Wirtschaft stark von Rohstoffimporten abhängig
Die EU muss laut Schwenker schon heute rund 50 Prozent der fossilen Energieträger Öl, Gas und Kohle importieren, 2030 werden es sogar 70 Prozent sein. Bei Industriemetallen sehe es nicht besser aus: Fast die Hälfte der benötigten Kupfererze und -konzentrate müssen Unternehmen außerhalb der EU einkaufen, bei Eisen sind es 85 Prozent, bei Metallen für Hightech-Produkte wie Titan, Tantalum und Platin sogar 100 Prozent. Außerdem konzentrieren sich Abbau und Produktion wichtiger Metalle geografisch auf wenige, politisch oft instabile, Regionen.
Umwelttechnik und Rückwärtsintegration als Lösungsansätze
Einen wesentlichen Beitrag zur Rohstoffsicherheit von Unternehmen erwartet Schwenker im Bereich Energie- und Materialeffizienz. Experten schätzen, dass allein in Deutschland durch Recycling und den Einsatz neuer Technologien der Rohstoffeinsatz im verarbeitenden Gewerbe bis 2016 um ein Fünftel sinken könne. Dies bedeute Einsparungen von rund 27 Milliarden Euro. Eine nahe liegende Überlegung für Unternehmen bestehe daher darin, Rohstoffe durch Rückwärtsintegration, also durch Übernahme von Anteilen an Rohstofflieferanten, abzusichern. Die durch die Wirtschaftskrise aktuell sehr niedrigen Bewertungen bieten dazu eine gute Gelegenheit. Allerdings birgt die Erschließung eines neuen Geschäftsfeldes für ein Unternehmen auch ein nicht unerhebliches Risiko. Viele Beispiele für eine gelungene Rückwärtsintegration gibt es noch nicht. Eine Alternative zu direkten Beteiligungen bieten Allianzen und Kooperationen. Die Risiken seien hier geringer und können breiter gestreut werden. In der Aluminiumbranche sei es beispielsweise schon heute normal, dass mehrere Konzerne gemeinsam eine Schmelze betreiben. Ein anderes Instrument zur Risikominimierung stellen Derivate dar, mit denen Rohstoffkosten für mehrere Monate im Voraus fixiert werden können. Verschätze sich ein Unternehmen, könne das Sicherheitsnetz allerdings schnell zur Belastung werden. So habe etwa die Fluggesellschaft Cathay Pacific durch das Kerosin-Hedging im vergangenen Jahr Buchverluste von fast eine Milliarde Dollar hinnehmen müssen.
Neues Zusammenspiel zwischen Wirtschaft und Politik nötig
Um Wettbewerbsnachteile für europäische Unternehmen zu beseitigen, muss sich die EU vorrangig für den Abbau von Handelsbeschränkungen und die Senkung von Einfuhr- und Ausfuhrzöllen (etwa für Stahlschrott in Russland und Aluminiumerzen und Koks in China) einsetzen. Es geht darum, durch dieses neue Zusammenspiel den Ressourcenzugang langfristig abzusichern. Der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine habe gezeigt, wie wichtig und notwendig eindeutige und langfristige Abmachungen sind, die beiden Partner Sicherheit geben.
Eine enge politische Kooperation sei auch mit anderen rohstoffreichen Staaten – etwa in Afrika – wichtig. Bislang zeigen sich europäische Unternehmen bei Beteiligungen in Afrika zögerlich, da das instabile politische Umfeld und teils korrupte Regierungen Bedenken wecken. Chinesische Investoren hingegen engagieren sich stark auf dem afrikanischen Rohstoffmarkt. Sie werden dabei vom chinesischen Staat aktiv unterstützt und sogar zu diesem Schritt ermuntert. Mittlerweile leben etwa eine Million Chinesen in Afrika und bauen dort Netzwerke auf. Doch das Interesse chinesischer Unternehmen beschränke sich längst nicht mehr auf Afrika. Stark gefallene Börsenbewertungen machen auch europäische Rohstoffunternehmen zu attraktiven Investitionszielen. Die westliche Politik solle im Gegenzug weiteren Zugang zum chinesischen Markt fordern. Dabei gelte es ethische Fragen zu berücksichtigen: "Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass sich Europa nicht korrum¬pieren lassen darf – egal wie hart der Wettbewerb um Rohstoffe auch ist. Wir können durch die konsequente Förderung des sozialen Aufbaus in diesen Ländern unsere Interessen langfristig besser sichern als durch moralisch fragwürdige Kompromisse."
"Die Finanzkrise mit ihren Auswirkungen auf die Realwirtschaft kann Topmanager dazu verführen, wichtige strategische Themen wie die Frage der Rohstoffsicherheit aus den Augen zu verlieren", sagte Schwenker. Schon die technischen Aspekte der Rohstoffgewinnung und -förderung sowie die mittelfristig wieder zu erwartende höhere Nachfrage deuten auf steigende Preise hin. Aktuelle Kürzungen bei Förderungen und Investitionen in die Erschließung neuer Förderstätten lassen erwarten, dass das Angebot erneut sinken werde. Dazu kommen Schwenker zufolge das globale Bevölkerungswachstum und der zunehmende Rohstoffhunger, vor allem der BRIC-Staaten. Hohe Nachfrage und begrenzte Förderkapazitäten erzeugten automatisch Preisdruck. Auch die Weltbank rechne damit, dass der Ölpreis Ende 2009 wieder bei 75 Dollar liegen werde. Auf den Terminmärkten werde Rohöl zu kommendem Dezember mit einem Aufschlag von 50 Prozent gehandelt. Bei Industriemetallen zeichne sich ein ähnlicher Trend ab.
Europäische Wirtschaft stark von Rohstoffimporten abhängig
Die EU muss laut Schwenker schon heute rund 50 Prozent der fossilen Energieträger Öl, Gas und Kohle importieren, 2030 werden es sogar 70 Prozent sein. Bei Industriemetallen sehe es nicht besser aus: Fast die Hälfte der benötigten Kupfererze und -konzentrate müssen Unternehmen außerhalb der EU einkaufen, bei Eisen sind es 85 Prozent, bei Metallen für Hightech-Produkte wie Titan, Tantalum und Platin sogar 100 Prozent. Außerdem konzentrieren sich Abbau und Produktion wichtiger Metalle geografisch auf wenige, politisch oft instabile, Regionen.
Umwelttechnik und Rückwärtsintegration als Lösungsansätze
Einen wesentlichen Beitrag zur Rohstoffsicherheit von Unternehmen erwartet Schwenker im Bereich Energie- und Materialeffizienz. Experten schätzen, dass allein in Deutschland durch Recycling und den Einsatz neuer Technologien der Rohstoffeinsatz im verarbeitenden Gewerbe bis 2016 um ein Fünftel sinken könne. Dies bedeute Einsparungen von rund 27 Milliarden Euro. Eine nahe liegende Überlegung für Unternehmen bestehe daher darin, Rohstoffe durch Rückwärtsintegration, also durch Übernahme von Anteilen an Rohstofflieferanten, abzusichern. Die durch die Wirtschaftskrise aktuell sehr niedrigen Bewertungen bieten dazu eine gute Gelegenheit. Allerdings birgt die Erschließung eines neuen Geschäftsfeldes für ein Unternehmen auch ein nicht unerhebliches Risiko. Viele Beispiele für eine gelungene Rückwärtsintegration gibt es noch nicht. Eine Alternative zu direkten Beteiligungen bieten Allianzen und Kooperationen. Die Risiken seien hier geringer und können breiter gestreut werden. In der Aluminiumbranche sei es beispielsweise schon heute normal, dass mehrere Konzerne gemeinsam eine Schmelze betreiben. Ein anderes Instrument zur Risikominimierung stellen Derivate dar, mit denen Rohstoffkosten für mehrere Monate im Voraus fixiert werden können. Verschätze sich ein Unternehmen, könne das Sicherheitsnetz allerdings schnell zur Belastung werden. So habe etwa die Fluggesellschaft Cathay Pacific durch das Kerosin-Hedging im vergangenen Jahr Buchverluste von fast eine Milliarde Dollar hinnehmen müssen.
Neues Zusammenspiel zwischen Wirtschaft und Politik nötig
Um Wettbewerbsnachteile für europäische Unternehmen zu beseitigen, muss sich die EU vorrangig für den Abbau von Handelsbeschränkungen und die Senkung von Einfuhr- und Ausfuhrzöllen (etwa für Stahlschrott in Russland und Aluminiumerzen und Koks in China) einsetzen. Es geht darum, durch dieses neue Zusammenspiel den Ressourcenzugang langfristig abzusichern. Der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine habe gezeigt, wie wichtig und notwendig eindeutige und langfristige Abmachungen sind, die beiden Partner Sicherheit geben.
Eine enge politische Kooperation sei auch mit anderen rohstoffreichen Staaten – etwa in Afrika – wichtig. Bislang zeigen sich europäische Unternehmen bei Beteiligungen in Afrika zögerlich, da das instabile politische Umfeld und teils korrupte Regierungen Bedenken wecken. Chinesische Investoren hingegen engagieren sich stark auf dem afrikanischen Rohstoffmarkt. Sie werden dabei vom chinesischen Staat aktiv unterstützt und sogar zu diesem Schritt ermuntert. Mittlerweile leben etwa eine Million Chinesen in Afrika und bauen dort Netzwerke auf. Doch das Interesse chinesischer Unternehmen beschränke sich längst nicht mehr auf Afrika. Stark gefallene Börsenbewertungen machen auch europäische Rohstoffunternehmen zu attraktiven Investitionszielen. Die westliche Politik solle im Gegenzug weiteren Zugang zum chinesischen Markt fordern. Dabei gelte es ethische Fragen zu berücksichtigen: "Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass sich Europa nicht korrum¬pieren lassen darf – egal wie hart der Wettbewerb um Rohstoffe auch ist. Wir können durch die konsequente Förderung des sozialen Aufbaus in diesen Ländern unsere Interessen langfristig besser sichern als durch moralisch fragwürdige Kompromisse."
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