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ÖSTERREICH
 
 

Restrukturierung ist mehr als Kostensenkung

Mit der aus der Finanzkrise resultierenden Wirtschaftskrise erlebt die Restrukturierung ihr Comeback. Denn trotz der derzeit herrschenden Unsicherheit ist für die meisten Vorstände eines klar: Im Gegensatz zur Rezession in Deutschland 2003 wird es diesmal auch die österreichische Konjunktur in vollem Umfang treffen – trotz und gerade wegen der engen Verflechtung mit Mittel- und Osteuropa.

Im Großen und Ganzen beobachten wir daher eine relativ rasche Reaktion der österreichischen Vorstände. Weder Angststarre noch Realitätsverweigerung scheinen sich breit zu machen. Die Kernfrage lautet allerdings: "Wie reagiere ich richtig?" Der erste Reflex heißt typischerweise Kostensenkung – und damit verbunden: Stellenabbau.

Unserer Meinung nach ist das aber zu kurz gedacht. Im Folgenden führen wir sechs Empfehlungen an, wie Unternehmen bei einer Konjunkturkrise intelligent und weitblickend reagieren sollten:

1. Führungsmodell überprüfen
Im Wachstum neigen Unternehmen zur Dezentralisierung, was beim Aufbau neuer Märkte sinnvoll ist. Nun gilt es, die Zügel wieder straffer anzuziehen, um die Vorzüge zentraler Steuerung zu realisieren.

2. Heimmarkt sichern
Die strategische Basis ist auch für expandierende Unternehmen ein starker Heimmarkt. Auf diesem sollte nun der Fokus des Topmanagements liegen. Heimmarkt ist für viele heimische Großunternehmen aber heute nicht mehr Österreich, sondern CEE.

3. Key-Account-Management stärken
Höheres Kostenbewusstsein beim Einkauf ist im Konjunkturrückgang logisch – das legen aber auch die großen Kunden an den Tag. Ein effektiv organisiertes Key-Account-Management sichert konzernweit koordiniertes Vorgehen bei Preisverhandlungen.

4. Wertschöpfungsstruktur optimieren
Die Ausweitung von Produktions- und Vertriebsstrukturen war im Aufschwung wichtig. Jetzt geht es darum, diese Kapazitäten effizienter zu nutzen, Synergien und Potenziale zu heben, etwa durch die Etablierung von Shared Service Centers.

5. Kompetenzen stärken
Schlanke Konzernzentralen sind bei gut geführten Firmen Standard. Gerade deshalb sind Einschnitte dort nun aber gefährlich: Ein Ausdünnen führt womöglich dazu, dass Verbundvorteile etwa bei Strategie oder Risikomanagement verloren gehen.

6. Selektives Wachstum
Für Unternehmen mit guter Kapitalbasis und Liquidität bieten sich jetzt günstige Übernahmemöglichkeiten. Die Rezession bietet so die Möglichkeit, Marktverhältnisse neu zu ordnen. Wer diese Chance nutzt, startet nach der Krise mit mehr Kraft durch.

Fazit
Die bevorstehende Situation eines plötzlich eintretenden Konjunktureinbruchs stellt österreichische Unternehmen vor besondere Herausforderungen. Wir empfehlen, den unmittelbaren Reflex des reinen Cost Cutting zurückzustellen und sich zunächst über die hier angeführten strategischen Themenfelder Gedanken zu machen. Unsere Erfahrung aus unzähligen Projekten zeigt: Ein Restrukturierungskonzept, das auf diesen sechs Säulen basiert, trägt deutlich wirksamer und auch nachhaltiger zur Absicherung der Überlebens- und Wettbewerbsfähigkeit bei.
12.01.2009
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