• Alumni  
  • FacebookTwitterLinkedInXingRSS
  • Weitere Webseiten
 
ÖSTERREICH
 
 

Drei Szenarien zur weiteren Entwicklung der Weltwirtschaft

think: act CONTENT Sonderausgabe zur Finanzkrise

Die aktuelle Krise an den internationalen Finanzmärkten hat in den vergangenen Wochen zu Reaktionen von Regierungen, Notenbanken und Unternehmen geführt, die noch bis vor Kurzem als undenkbar galten. Was erwartet uns als Nächstes? Und was können und müssen Unternehmen jetzt tun?

Um Orientierung zu bieten, hat Roland Berger aus der Vielzahl möglicher Entwicklungen drei Szenarien erarbeitet: Szenario 1 beschreibt eine rasche Erholung der Wirtschaft, die wir durchaus für möglich halten, Szenario 2 geht von einer kommenden Rezession aus – und reflektiert die zur Zeit vorherrschende Meinung – und Szenario 3 deckt den aus unserer Sicht eher unwahrscheinlichen Fall einer Depression ab. Vorbereiten müssen sich Unternehmen auf alle Möglichkeiten. Wir zeigen auf, was Gesellschaften tun sollten, um die Krise zu bewältigen und gleichzeitig die vielen Chancen zu nutzen, die die nächsten Monate bereithalten.

Szenario 1: Rasche Erholung
Die Finanzkrise schlägt sich auf die Realwirtschaft nieder, ist aber zeitlich und von der Intensität her begrenzt. Die einzelnen Regionen der Welt sind unterschiedlich stark betroffen: Europas Volkswirtschaften spüren nur wenig und auch die BRIC-Staaten schaffen es, sich weitgehend abzukoppeln. Stärkere negative Auswirkungen verzeichnen die USA und Japan, aber auch diese Volkswirtschaften erholen sich dank massiver staatlicher Eingriffe relativ schnell wieder.

Nationale und internationale Rettungspakete sowie Hilfsaktionen der Notenbanken zeigen Wirkung, die Krise kann politisch bewältigt werden. Abgesehen von einer Delle beim Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ist der volkswirtschaftliche Schaden überschaubar: Die Arbeitslosigkeit steigt weltweit nur geringfügig an. In einzelnen Ländern, die besonders von der Krise betroffen und deren Arbeitsmärkte flexibel sind, erhöht sich die Zahl der Arbeitslosen etwas stärker (USA), in Deutschland steigt die Arbeitslosigkeit dank moderater Lohnabschlüsse und Zeitarbeitern, die den Arbeitsmarkt flexibel halten, nur sehr wenig an. Die Inflation bleibt auf relativ niedrigem Niveau, das verfügbare Einkommen schrumpft etwas. Die Konsumneigung nimmt kaum ab.

In maximal 12 Monaten ist die Krise in diesem Fall ausgestanden.

Szenario 2: Rezession
Finanzkrise und Realwirtschaftskrise, also eine Finanzkrise mit starkem Durchschlag auf die Realwirtschaft. Auch hier muss wieder differenziert werden: Massive negative Auswirkungen hat die Doppelkrise auf die USA und Japan, das BIP schrumpft dort stark und eine Erholung tritt erst relativ spät ein. Die europäischen Volkswirtschaften schrumpfen leicht, während die BRIC-Staaten weiter deutlich wachsen, wenn auch in geringerem Ausmaß als in den Jahren zuvor.

International werden neue Regelungen für ein reformiertes Weltfinanzsystem vereinbart, die Vereinbarungen kommen aber nur langsam voran. Neben kurzfristigen staatlichen und geldpolitischen Rettungspaketen versuchen viele Regierungen, ihre nationalen Volkswirtschaften mit Konjunkturprogrammen zu stützen. Dadurch können die negativen Folgen der Krise abgemildert werden, die Einflussmöglichkeiten sind jedoch begrenzt. Die Arbeitslosenraten steigen an, besonders in den USA mit ihren vergleichsweise flexiblen Arbeitsmärkten, während die Arbeitslosigkeit in Westeuropa nur mäßig ansteigt, was nicht zuletzt auf die moderaten Lohnabschlüsse und die gestiegene Zahl von Zeitarbeitern zurückzuführen ist. Die Inflation sinkt, das verfügbare Einkommen schrumpft. Die Konsumneigung geht zurück, es wird wieder mehr gespart.

Die derzeitige Situation deutet auf dieses Szenario hin, das rund 1-2 Jahre anhalten wird.

Szenario 3: Depression
Die gesamte Weltwirtschaft ist schwer getroffen, das globale BIP schrumpft mehrere Jahre hintereinander teils zweistellig, alle Branchen und Länder der Welt sind massiv betroffen. Es kommt zwar nicht zur Neuauflage der Großen Depression nach 1929, die Krisensymptome sind aber viel stärker als bei allen globalen Wirtschaftskrisen der vergangenen 70 Jahre.

Der Bankensektor kommt für lange Zeit nicht mehr so auf die Beine wie vor der Finanzkrise. Der Staat übernimmt einen Großteil der Banken, muss aber bei der Kreditvergabe äußerst restriktiv vorgehen, da ihm selbst das Geld fehlt. Die Realwirtschaft hat massivste Finanzierungsprobleme, viele Unternehmen gehen pleite und setzen eine Negativspirale in Gang: Unternehmenspleiten, Massenarbeitslosigkeit, keine Kaufkraft, Zusammenbrechen der Nachfrage, weitere Unternehmenspleiten.

Eine Systemkrise dieses Ausmaßes dauert wahrscheinlich 3-5 Jahre.
08.11.2008
Top

Weitere news